bended’11

bended’11:
Ein Festival für die bewegbar gewordene Welt

Bended Realities ist ein Festival, bei dem es um kulturelle Ausdrucksformen und neue gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten der sich entwickelnden Netzwelt geht. Circuit Bending, das experimentelle, vor allem auf Musik und Klangerzeugung ausgerichtete Neuverdrahten und -verschalten von Elektronik jeglicher Art, ist dabei der exemplarische Ausgangs und Kristallisationspunkt.
Das Festival konzentriert sich nicht nur darauf eine Bühne zu bieten, sondern stellt durch Workshops und Vorträge die Möglichkeit zum selber machen/erfahren/ausprobieren und reflektieren als integralen inhaltlichen Bestandteil in den Mittelpunkt.

Die Kunst des Selbermachens

Unter großem Zeitdruck zwischen Winterpause, HfG-Rundgang und studentischen Sommerferien ist das diesjährige Bended Realities Festival erstmalig, komplett ohne Förderungen von uns selbst organisiert worden.

The Selv

Selbst ausprobieren steht neben der Livemusik sowieso, getreu dem Motto des Festivals, im Vordergrund, geht es doch schließlich um den freien Zugang zur „neuen Welt“ und was sich damit anfangen lässt. So wird es in der Nähe des Waggons den „Public Bending Space“ geben: Ein Zelt in dem Künstler ihre Arbeiten präsentieren, bauen, sich austauschen können, in dem aber auch jeder mit Interesse und altem Elektronikspielzeug vorbeikommen kann, um selbst ein noch nie dagewesenes Instrument zu bauen.

Künstler wie Marcel Daemgen, der neben zahlreichen anderen Auftritten schon in der bekannten Knitting Factory in New York gastiert hat, oder Theo Goodman, der die lokale Circuit Bending und Noise Szene organisiert, treten live auf. Die Freeform Bands Kama Frajo und Strom bringen lässig jazzige Improvisationskunst und obskure Eigenbauinstrumente wie z.B. Zimmerbrunnen auf einen Nenner, während Kudari 55 klassisch gebendete Klangerzeuger benutzen. Beim Ambientjam des Elektrokartells schließlich, ist der Zugang für alle beteiligten Künstler offen.

face Of the week#7 Georg Klein from Like Offenbach on Vimeo.


>>> Freitag bis Sonntag, jeweils 13h00 bis 19h00

Public Bending Space / Bent Tent: Bauen, benden, austauschen und ausprobieren.
Mit Sisto Rossi, Dietmar Pier, Theo Goodman u.a. (Ort: direkt am Waggon, Mainufer)

Sisto Rossi
Aus einer Konzertankündigung: Sisto ist sowas wie die Legende der Noise Musik im Ruhrgebiet. Nicht nur durch sein weit-verzweigtes Netzwerk in der Noise und Krautrock Szene, sondern auch durch sein Fähigkeiten im Bereich des „Circuit Bending“. Durch gekonntes neu-verlöten von Schaltkreisen in Klangerzeugern wie Spielzeugen und Synthies, baut er sich eigene Instrumente. Da ihm bekannt werden total egal ist wechselt er bei fast jedem Auftritt den Bandnamen …

Freitag 27.05.2011

20h00
Marcel Daemgen > Solo-Performance

Performer, 1 Tisch, frontal zum Publikum. 1 Stimme. Elektronische Klangerzeuger, Kabelstränge, technische Vernetzung.
Teile und Unzusammenhängendes von Liedern, elektronischen, abstrakten und … historischen Klängen werden gesammelt mit der Absicht, sie in eine unterhaltsame, stille, böse oder harmonisch-trashige oder erhellend-lärmende, Zusammenhang bildende und auflösende tobende neue Ordnung auf die Bühne zu bringen.

marcel daemgen
textxtnd.de

21h00 Uhr
Dr. Matze Schmidt
>>> interaktiver Vortrag:
Noise, eine Diskussion anti-revolutionärer Revolutionäre

noiset
Der Job diverser Umwälzer ist historisch oft genug die endlose Verschiebung politischer Prozesse. Dabei produzieren sie den passenden nicht nur theoretischen Sound. Der Präsidentenberater Jacques Attali und die Rolling Stones etwa sind sich darin einig, dass einem nur bliebe, in einer Rock‘n’Roll Band zu singen. Übernimmt mittlerweile Noise als krachige Verweigerung diese Stelle? Die Kritik des DIY fragt, ob selbstgeätzte Platinen schon die Warenform aufheben.
Der Vortrag wird nicht frontal vorgetragen, sondern als Anordnung von Sprech-Samples und Klangbeispielen über ein Drumpad (vor)getrommelt. Ein Open Mike geht ebenfalls in den Verstärker, so dass jederzeit jemand dazu oder dazwischen kommen kann.
In einer zweiten Version wird das Skript zudem per Videokamera gezeigt, überlagert von einem Overhead-Projektor, auf den von Interessierten Kommentare geschrieben werden können.

38317.tk

22h00 Uhr
Theo Goodman:
How to deconstruct records

Records make sound due to the grooves that have been cut into them. We will add new imprints and abrasions to the records and thus change the way that they sound. The records will act as new loop collages by skipping around and creating new combinations of sounds that were not intended by the orginal creator. Some will be nearly unplayable by a normal record player and be called „anti-records“ and the playing duration cut from a full length album to a few seconds . New cuts and scratches will themselves create new soundtracks for a slowly dying world of vinyl and physical music realeases.
What? Record manipulation by means of scratching, burning, bending, cutting, sanding, and other methods.
In other words: We are going to abuse records to allmost compleate destruction and then play back the results.

22h30 Uhr
Kudari 55 >>> Bent Klangerzeuger

Samstag 28.05.2011

19h00
Stefanie Wuschitz von Miss Baltazars Laboratory: Female access to open source

stefanie wuschitz

In Zusammenarbeit mit Prof. Ulrike Gabriel von der HfG-Offenbach präsentiert Stefanie Wuschitz vom Miss Baltazars Laboratory aus Wien Strategien weiblicher Selbstermächtigung durch freies Experimentieren mit Open Source Bauteilen und Software.

mzbaltazarslaboratory.org

20h00
Lars Becler, Peter Pawlicki >>> Präsentation: The SELV

Nach der außerordentlich erfolgreichen Markteinführung des selv im vergangenen Winter und den darauffolgenden Produktpräsentationen u. a. in „the office“ oder im Rahmen der HATE Party, möchten wir im Rahmen des Bended Realities Festival dem fachspezifischen Publikum weitere Einblicke in unser junges Unternehmen bieten. Seit der Gründung des Unternehmens arbeiten wir fieberhaft an den Sujets von Teilhabe und Ausdrucksformen, somit den Kernbereichen des Festivals.

Vor diesem Hintergrund wird Lars Becker (President / CEO) die Firmenphilosophie von Kacheltisch vorstellen und Peter Pawlicki das Neueste aus den Abteilungen Research und Development berichten. Anschließend werden beide für kritische Rückfragen und Diskussionen der Fachpresse zur Verfügung stehen. Selbstverständlich wird es auch die Möglichkeit geben, das selv vor Ort kennen zu lernen.

„Combining aesthetics with usability and concepts delving into social relationality and in/exclusion Lars Becler and Peter Pawlicki (Kacheltisch) developed the selv as an object for both play and display. Practices from various art areas have been fused with theoretical concepts to deliver an empowering music and communication device.
The highly integrated character of the selv, combining both the sound generator as well as the amplification in one unit, provides the user with an easy accessible and versatile sound instrument based on the idea of high usability. With this Becker and Pawlicki developed the first no- input mixing based instrument in the history of music.
Never has been no-input mixing made so easy, allowing for instant set-up in every location requiring only one single power socket. The highly intuitive interface, reduced to the max by putting an accent on the essential functions, without limiting the operator, enables a very gratifying playing experience.
Becler and Pawlicki were able to win renowned visual artist and sculptor Jorma Foth for the project. With his insights into materials as well as experience with elaborate production processes the design team was able to develop an intricate and progressive industrial design and a very rewarding play and sound experience.“

http://selv.me/
selv.me

21h00
Frank Apunkt Schneider:
GEORG PAUL THOMANN: Die Eigenurintherapie des Realen (wie man einen Künstler konstruiert) >>> Ein Powerpoint-Infotainment von monochrom

georg paul thomann

Georg P. Thomann (1945–2005) war ein österreichischer Großkünstler, dessen Weg durch die Kunstgeschichte des späten 20. Jahrhunderts radikale Positionen von Wiener Aktionismus über Situationismus, Punk, Neoismus, Appropriation Art bis bis zur Repolitisierung im Umfeld der p.c.-Bewegung miteinander verband.
2002 wurde Georg P. Thomann als österreichischer Beitrag zur Sao Paulo Bienale geschickt.
Dabei stellte sich heraus, dass er (und seine über hundertseitige Biographie) von der Wiener Gruppe monochrom erfunden worden war. Und zwar, um der Kunst etwas von der Würde zurückzugeben, die sie als bürgerliches Selbstvergewisserungsmedium freilich nie hatte.
Georg Paul Thomann, heißt es in einem Programmtext, „ist eine Sonde, die in zeitgenössische Kunstmilieus eingesenkt wird, eine Lebensform, die auf den Kurzschlüssen basiert, die erzeugt werden, wenn die so genannte >>Wirklichkeit< < mit Eigenurin therapiert wird. Er taucht an ausgewählten Orten der Kunstlandschaft auf und hinterlässt sie so, wie er sie sich vorzufinden gewünscht hätte.“ Frank Apunkt Schneider ist Mitglied bei monochrom und wird im Anschluss an seinen Vortrag über Georg Paul Thomann einige der letzten Exemplare des längst vergriffenen Thomann-Readers „Wer erschoss Immanenz?“ versteigern… Monochrom ist eine deutsch-österreichische Kunstgruppe, die das gleichnamige Magazin herausgibt und die Webseite www.monochrom.at betreibt.
Frank Apunkt Schneider lebt zur Zeit als unfreier Autor und unfreier Künstler in Bamberg. Er ist Mitglied der KünstlerInnengruppe monochrom (monochrom.at) und ist Redakteur bei Testcard und Skug. Im Herbst 2007 ist sein Buch „Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW“ im Ventil-Verlag erschienen.

monochrom.at/thomann

22h30
Strom & Kama Frajo:
Free Form Drone mit musikalischem Zimmerbrunnen!
DJ: Baron Samedi (Drone & Ambient)

strom
myspace.com/stromkonzert

Rund um Frank Byzios „Klangbrunnen“ und Tassilos „Tassilophon“ pflegt diese Gruppenkombination die Improvisation. Durchs Wah-Wah geleitetes Wasserplätschern, automatische oder handbetriebene Audiocassettenmagnetbandspulen, Samples und klingende Gegenstände aus dem alltaeglichen Zeug. Insgesamt ein riskantes Finden.

kamo frajo

tassiphon

Sonntag 29.05.2011 >>> Vegetarische Volxspeisung im Waggon!

15h00
Elektro Kartell Lounge >>>
Ambient Jamsession: Join in!

Die Elektro-Kartell Lounge (EK-Lounge) ist ein Projekt für live improvisierte Musik. In regelmäßigen Sessions streben die Akteure mit Ihren elektronischen Instrumenten einen Gesamtklang an, der sich stilitisch als Ambient-, bzw. Chill-Out-Musik beschreiben läßt. Die zusammengeschalteten Klangerzeuger werden nicht zentral kontrolliert. Jeder Beteiligte versucht eigenverantwortlich, mit seinem Beitrag möglichst zurückhaltend einen passenden Anteil am Gesamt-Sound zu liefern. Eine perfekte Sequenz entsteht, wenn eine Dramaturgie (Intro, Anstieg, Schluss) im sich selbst regulierenden, harmonischen Music-Flow erkennbar wird.

ek-lounge.de

elektro kartell lounge

20h00
Roland Graeter und Marcel Daemgen:
Improvisation für Cello und Elektronik

roland graeter
Abgeschlossen wird das Festival durch einen Liveauftritt des Cellisten Roland Graeter zusammen mit Marcel Daemgen. Graeter kommt für seinen „Musikmarathon 2011“ in den Waggon. Ein Projekt bei dem er an 360 Tagen innerhalb eines Jahres mit 360 Musikern verschiedenster Gattungen zusammen improvisiert. Ein würdiger Abschluss für ein Festival, das sich mit der Kunst des Selbstmachens und seinen Ausdrucksformen beschäftigt.

musikmarathon.com
textxtnd.de